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In krachigem Oberbayerisch und mit viel Temperament

Mittelrieden - Der Saal im Gasthaus Sonne in Mittelrieden hat 240 Plätze, und davon war jeder einzelne besetzt bei der Jahreshauptversammlung des VLF (Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Unterallgäu).

Zunächst begann der Vormittag ganz wie gewohnt, mit Grußworten und einem Geschäftsbericht. Sensationelle Neuigkeiten wurden dabei nicht verkündet. Die Landwirte und Landwirtinnen warteten gespannt auf das Hauptreferat der Veranstaltung, bei dem es diesmal weder um Milchquoten noch um Futterproduktion ging, sondern um das Thema „Männer und Frauen - verschieden wie Tag und Nacht.“

Für die Referentin zeichneten diesmal die Damen der VLF-Frauengruppe verantwortlich. Sie hatten die Typ- und Stilberaterin Sigrid Kandler aus Dachau engagiert. Die sprach in diesem Fall allerdings nicht übers richtige Outfit für den modernen Landwirt, sondern erklärte auf kabarettreife Art, warum Männer und Frauen nicht zusammen passen.

Was sie bei ihrem Vortrag ernst meinte und was eher witzig, war zwar nicht immer ersichtlich, aber sie kam beim Publikum, bis auf wenige Ausnahmen, hervorragend an.

In krachigem Oberbayerisch und mit viel Temperament erklärte sie ihren Zuhörerinnen und Zuhörern die Welt, wie sie vielleicht einst in der Steinzeit war und, laut Kandler, im Wesentlichen auch heute noch ist: „Der liebe Gott“ habe nämlich in „Männchen“ und „Weibchen“ bestimmte Eigenschaften eingebaut, die fürs Überleben der Menschheit sorgten. So sei die Frau mit einem unaufhörlichen Redefluss gesegnet, der daher rühre, dass sie ihre vielköpfige Brut zusammenhalten und dafür sorgen musste, dass die Jungen nicht ins Lagerfeuer fielen oder von wilden Tieren gefressen wurden. Ihre Aufgabe sei das Sammeln von Pilzen und Wurzeln gewesen, daher auch heute noch ihre Konsumsucht. Der Mann dagegen sei als Jäger geschaffen, deshalb eher schweigsam und zum Zuhören nicht gemacht. Wenn die Frau mit ihrem Redefluss bei ihm nicht ankomme, liege das nur daran, dass er „nicht artgerecht behandelt“ werde. Die Unterschiede seien naturgegeben. Es gehe lediglich darum, diese anzuerkennen und einzusehen, dass beide Geschlechter sich perfekt ergänzten, wenn es ihnen gelinge, sich entsprechend zu verhalten.

„Das war doch mal was Aufheiterndes, statt ewig nur die deprimierenden Themen der Landwirtschaft“, meinte eine Zuhörerin. Ein junger Landwirt sagte: „Das trifft fast alles zu. Ich seh meine Freundin jetzt mit ganz anderen Augen. Schad, dass ich sie nicht mitgenommen hab, dann tät sie mich jetzt vielleicht auch anders sehen.“

Insgesamt wurde der Vortrag als „amüsant, auflockernd“ und „mal ganz was anderes“ empfunden. Lediglich einige ältere Herren saßen kopfschüttelnd da, waren aber zu höflich, um Kritik zu äußern. „Wir haben den Dialekt nicht verstanden“, erklärten sie, „und die hat so schnell geredet, da sind wir gar nicht mitgekommen.“

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